Bildungsverläufe (aktuelle Forschungsprojekte)

Projekt "Flucht und transnationale Bildung. Eine Biografiestudie zur Bildungszusammenarbeit der DDR mit Namibia."

Das Projekt untersucht einen spezifischen Fall historischer Wirklichkeit, der sich zwischen DDR und
südlichem Afrika aufspannt und unter der Perspektive der transnationalen Bildung (auch international) noch
nicht empirisch untersucht wurde: Die sogenannten „DDR-Kinder aus Namibia“. Von 1979 bis 1989 werden
etwa 430 namibische Kinder aus Flüchtlingslagern in Angola und Sambia in einem politisch gesteuerten
Bildungsprojekt in die DDR gebracht. Das Ziel ist die Ausbildung der Kinder zur zukünftigen Elite Namibias.
Organisiert wird das während des Unabhängigkeitskampfes begonnene Projekt von der namibischen
Befreiungsbewegung SWAPO und der DDR-Führung. Ihre Kindheit verbringen die Kinder in einem Heim in
Bellin (Mecklenburg), wo sie von (mitgereisten) namibischen und DDR-ErzieherInnen betreut werden. Sie
besuchen im Nachbarort Zehna die Grundschule und später den Schul- und Internatskomplex „Schule der
Freundschaft“ in Staßfurt bei Magdeburg. Ihnen wird neben der fachlichen Ausbildung auch eine politischideologische Erziehung im Sinne des Sozialismus zuteil. Die Ausbildung orientiert sich zwar am Lehrplan der DDR, hält aber zugleich die Bezüge zu Namibia über Sprache, Lieder, Tänze und das Feiern
traditioneller Feste aufrecht. Mit der politischen Wende in Deutschland und der Unabhängigkeit Namibias in
den Jahren 1989/90 werden die Kinder und Jugendlichen unvorbereitet nach Namibia gebracht. Dort erleben sie Ausgrenzung: „Ex-DDRler” zu sein und als „Schwarze/r“ Deutsch zu sprechen, ist ein Stigma.
Aus dieser gesellschaftlichen Randposition heraus changieren die Biografien in der Folgezeit zwischen
sozialem Auf- und Abstieg, zwischen Bleiben (Namibia), Gehen (Deutschland, Ausland) und Pendeln
(zwischen Namibia, Deutschland und weiteren Ländern) sowie zwischen sozialer Einbindung oder Isolation,
Anerkennungs- oder auch Missbrauchserfahrungen. Ziel des beantragten Projektes ist die Rekonstruktion
der Flucht- und transnationalen Bildungsbiografien vor dem Hintergrund der im Feld relevant werdenden
Heterogenitäts- und Ungleichheitsdimensionen. Untersuchungsleitend sind die Kategorien: (a)
Lebensphase (Kindheit, Jugend, Erwachsenenalter), (b) sozioökonomischer Status SWAPOFunktionärsfamilie/Kriegswaise), (c) Geschlecht, (e) Hautfarbe, (f) Sprache und (g) Nationalität. Das Projekt untersucht aus einem transnationalen und intersektionalen Anspruch heraus, wann und wie diese
Differenzlinien zusammenspielen und Wirksamkeit im Hinblick auf die gesellschaftliche Positionierung
entfalten. Ziel ist die Beantragung eines DFG-Projektes.

Das Projekt wird von Prof. Dr. Matthias D. Witte, Dr. Caroline Schmitt und Karin Müller, M.A. (Institut für Erziehungswissenschaft, AG Sozialpädagogik) durchgeführt.

 

Kooperationsanbahnungs-Workshop: Hochschulforschung im Norden und Süden Afrikas

Der Workshop ist in der Hochschulforschung angesiedelt. Geplante Teilnehmende sind VertreterInnen der Säule Hochschulforschung des ZSBH und KollegInnen der Soziologie und Higher Education Studies (Südafrika/Mosambik, Ghana) und der Soziologie und Anthropologie (Algerien). Ebenso wäre eine Beteiligung Naturwissenschaftler in ihrer Rolle als internationale Projektkoordination (ACADEMY, EU-INTRA-AFRICA, Algerien), möglich. Wie in 1.3 erläutert, kann eine genaue Arbeitsrichtung noch nicht festgelegt werden, daher wird vorgeschlagen, sich zunächst auf die Besprechung einer möglichen institutionellen Zusammenarbeit in der Doktorandenausbildung und/oder der Personal-Mobilität zu konzentrieren.

Das Projekt wird von Leonie Schoelen, M.A. durchgeführt.

Forschungsbereiche: Hochschulforschung, post-doc Bildungsverläufe im jeweiligen afrikanischen Kontext oder als komparativer Ansatz, sowie Steuerung im Bildungssystem: Wirksamkeit von Qualitätssicherung